Ein international tätiger Energieerzeuger mit Hauptsitz in Deutschland stand vor der Aufgabe, eine über viele Jahre gewachsene, eng verzahnte IT-Landschaft auf mehrere rechtlich eigenständige Gesellschaften aufzuteilen. Bei einem IT-Carve-out dieser Größenordnung hängt fast alles an fast allem: gemeinsame ERP-Instanzen, ein zentrales Identitätsmanagement, geteilte Netzwerke, Rechenzentrumsleistungen, hunderte Anwendungen und ein dichtes Geflecht aus Lizenz- und Dienstleisterverträgen.
Die Vorgabe war klar: Jede der neuen Gesellschaften musste zum Stichtag eigenständig arbeitsfähig sein, ohne dass der laufende Betrieb der kritischen Energieinfrastruktur ins Stocken gerät. Erschwerend kam hinzu, dass sich die Einheiten während der Übergangsphase weiterhin gegenseitig IT-Services liefern mussten, klar geregelt über Transitional Service Agreements (TSA), und dass die Entflechtung länderübergreifend und damit über mehrere Rechts- und Datenschutzräume hinweg zu koordinieren war.
Wir übernahmen das Projektmanagement der IT-Entflechtung und begannen mit einer belastbaren Bestandsaufnahme: Welche Systeme, Daten, Identitäten und Verträge gehören künftig zu welcher Gesellschaft, und welche Abhängigkeiten bestehen zwischen ihnen? Aus dieser Landkarte entstand ein Trennungs-Blueprint, der für jede Anwendung einen Weg festlegte, von der sauberen Aufteilung gemeinsamer Systeme über die Duplizierung bis zur Neuvergabe, jeweils mit Reihenfolge, Abhängigkeiten und Stichtag.
Ein Schwerpunkt lag auf dem TSA-Design: Gemeinsam mit den Fachbereichen schnitten wir die übergangsweise weiter erbrachten Services einzeln zu, mit klarem Leistungsumfang, Service-Leveln, Preismodell und messbaren Exit-Kriterien, damit jede Gesellschaft die Übergangsleistungen so früh wie möglich wieder verlassen konnte. Parallel steuerten wir die Entflechtung von Identitäten und Berechtigungen, die Trennung der Netzwerke sowie die Zuordnung von Lizenzen und Verträgen zum jeweils richtigen Rechtsträger, ein Punkt, der bei Carve-outs regelmäßig unterschätzt wird und sonst zu teuren Nachlizenzierungen führt.
Die eigentlichen Cutover planten wir minutengenau und probten sie vorab in Generalproben, mit gemessenen Zeiten und abgearbeiteten Findings. Für die kritischen Systeme legten wir Rollback-Kriterien und klare Go- und No-Go-Entscheidungen fest. Ein gemeinsames Steuerungsgremium beider Seiten sorgte für Statusberichte je Service, saubere Eskalationswege und dafür, dass die TSA-Exits nicht versanden.
Die neuen Gesellschaften starteten zum Stichtag mit eigenständig arbeitsfähiger IT: Mitarbeitende konnten sich anmelden, Kernsysteme und Geschäftsprozesse liefen, der Betrieb der Energieinfrastruktur blieb durchgängig gewährleistet. Die verstärkte Betreuung in den ersten Wochen nach dem Stichtag fing die typischen Anlaufthemen kontrolliert ab, statt sie zu Störungen im Tagesgeschäft werden zu lassen.
Durch die einzeln geschnittenen und messbar bepreisten TSA behielten alle Beteiligten die Übergangsphase im Griff und konnten die gegenseitigen Abhängigkeiten planmäßig zurückfahren. Am Ende stand für jede Gesellschaft eine klar getrennte, dokumentierte IT als tragfähige Grundlage für den eigenständigen Weiterbetrieb.
Wie wir Carve-outs auf Verkäufer- und Käuferseite begleiten, von der IT Due Diligence über TSA-Design bis zum Day-1-Cutover, und zwei Praxis-Checklisten dazu: