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Digitaler Euro – ist das etwa Crypto für Jedermann?

21.01.2024  ·  Frederic Hoppenstock

Digitaler Euro – ist das etwa Crypto für Jedermann?

Um den digitalen Euro ranken sich viele Mythen. Normal, sollte der geneigte Leser jetzt denken, denn immerhin existiert dieses neue „Geld" bisher nur auf dem Papier in Konzepten und Rechtsvorlagen der EZB und ihren Arbeitsgruppen. Doch worum geht es eigentlich bei dem digitalen Euro wirklich und wie soll dieser irgendwann einmal funktionieren?

Central Bank Digital Currencies (CBDCs) sind digitale Währungen, die von Zentralbanken herausgegeben werden. Im Gegensatz zu traditionellen Währungen existieren sie in digitaler Form und basieren auf der Blockchain-Technologie oder anderen verteilten Ledger-Technologien. Die genaue Technologie kann je nach der Zentralbank und ihren Präferenzen variieren.

Die Blockchain-Technologie ist eine Art verteiltes Ledger, das Transaktionen in Blöcken aufzeichnet und durch kryptographische Verfahren gesichert ist. In vielen Fällen wird jedoch eine private Blockchain bevorzugt, um eine bessere Kontrolle und Sicherheit zu gewährleisten.

Hierzu ist es wichtig zu verstehen, dass CBDCs – wie der digitale Euro – Geld ist, welches niemals gedruckt wird. Dies ist auch der zentrale Unterschied zu unserer FIAT-Währung (von Lateinisch – „es werde"), dem Euro. CBDCs werden von den Zentralbanken als weiteres gesetzliches Zahlungsmittel bereitgestellt und können auf die Ausgabe durch dezentrale Stellen verzichten.

Unterschied Euro vs. Euro digital

Wie wir sehen, liegt die gesamte Steuerung dieser „Währung" bei der Zentralbank – in unserem Falle der EZB. Dies ermöglicht es der EZB, auf die Banken als Ausgabestelle zu verzichten.

Design by Function

Die Zentralbank als verwaltende Stelle der Wallets kann gewisse Policies für die Nutzer der neuen Währung erlassen. Kommen wir also zu den innovativen Möglichkeiten, die hierdurch geschaffen werden.

Geldmenge

Die EZB kann mittels Richtlinien die Geldmenge pro Bürger (Wallet), genauso wie weitere Parameter, begrenzen. In einer ersten Version soll die Geldmenge begrenzt werden. Hierzu beziehe ich mich auf die „Frage 24" auf der EZB Webseite:

„Unser Finanzsystem – in dessen Mittelpunkt das Bankensystem steht – funktioniert gut, und nach dem Willen des Eurosystems soll die zentrale Rolle der Banken bei der effizienten Kreditvergabe an die Realwirtschaft erhalten bleiben. Die EZB wird jede potenzielle Bedrohung des Finanzsystems durch den digitalen Euro minimieren. Daher wird der Betrag in digitalen Euro, den Nutzer auf ihren Konten halten können, begrenzt sein, um auch in Krisenzeiten Abflüsse von Bankeinlagen zu verhindern."

Aus vertrauenswürdigen Quellen wird aktuell (Stand 13.01.2024) von einer Grenze von 3000 € pro Wallet ausgegangen. Dies soll vermeiden, dass es zu sogenannten „bank runs" kommt – also dass Nutzer das Geld aus dem Euro-Finanzsystem abziehen und einzig auf die Wallet übertragen.

Nachverfolgung oder Datenschutz?

Der große Vorteil von Papierwährungen ist die Anonymität: Zahlungen können keinen Individuen zugeordnet werden. Im Fall einer digitalen Währung wäre denkbar, dass alle Transaktionen zu Personen und Unternehmen zugeordnet werden können. Die EZB beantwortet die Frage bezüglich Datenschutzes (Frage 9) wie folgt:

„Der Schutz der Privatsphäre ist eines der wichtigsten Gestaltungsmerkmale des digitalen Euro. Das Eurosystem hat kein kommerzielles Interesse an persönlichen Zahlungsdaten oder an der Weitergabe solcher Daten an Dritte. Daher hätte das Eurosystem keinen Zugriff auf private Informationen der Nutzer, und würde diese auch nicht speichern."

Die Formulierungen lassen da aktuell noch sehr viel Interpretationsspielraum offen. Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieses Artikels gibt es hierzu noch keine konkrete Festlegung der EZB – auch in Hinblick auf die technische Umsetzung der Datensicherheit.

Programmierbares Geld?

Was ist programmierbares Geld? Die EZB beantwortet die „Frage 20" wie folgt:

„Ein digitaler Euro wäre unter keinen Umständen programmierbares Geld. Als programmierbares Geld wird eine digitale Form von Geld bezeichnet, die wie ein Gutschein für einen im Voraus festgelegten Zweck verwendet wird. Sie ist mit Einschränkungen versehen, wo, wann oder bei wem sie verwendet werden kann."

Kritiker verweisen auf Länder, die bereits Erfahrungen in diesem Bereich sammeln konnten – etwa durch Scoring-Systeme, die dem Nutzer einen klaren Rahmen setzen, auf welche Art der Konsum erfolgen soll. Wir reden hierbei unter anderem über das Thema SocialScoring.

Es ist kein Zufall, dass die Frage nach dem Datenschutz und die Frage nach der Programmierbarkeit fast aufeinanderfolgend betrachtet werden durch die EZB. Denn ein digitaler Coin, der von zentraler Stelle ausgegeben und verwaltet wird, ermöglicht diesen Eingriff – sofern die entsprechenden Daten vorliegen. Daher hier die Frage: quo vadis EZB?

Sind CBDCs also Crypto-Währungen?

Hierzu ein definitives – Nein. Der Hauptunterschied zwischen CBDCs und traditionellen Kryptowährungen wie Bitcoin besteht darin, wer die Währung herausgibt und wie sie unterstützt wird. CBDCs werden von staatlichen Zentralbanken herausgegeben und haben eine feste Bindung an die nationale Währung. Sie sind gesetzliches Zahlungsmittel und werden von der Regierung unterstützt.

Im Gegensatz dazu sind Kryptowährungen dezentralisiert und werden von keiner Regierung oder Zentralbank herausgegeben. Kryptowährungen basieren auf kryptographischen Prinzipien und einem dezentralen Netzwerk von Computern.

Rechtliche Aspekte CBDCs

Die rechtlichen Rahmenbedingungen für CBDCs können je nach Land und Rechtssystem variieren. Die Einführung von CBDCs wirft eine Vielzahl von rechtlichen Fragen auf:

Es ist wichtig zu beachten, dass die Diskussion über rechtliche Rahmenbedingungen für CBDCs noch im Gange ist. Viele Länder befinden sich in verschiedenen Stadien der Erforschung und Umsetzung.

Bitcoin vs. digi Euro

Unterschied Kryptowährung (Bitcoin) vs. CBDCs

CBDCs und Bitcoin unterscheiden sich in mehreren Schlüsselaspekten:

Fazit

Mit der Einführung eines digitalen Euros werden einige Prozesse im Euro-Raum vereinfacht, die aktuell aufgrund der Historie sehr komplex aufgebaut sind. Der digitale Euro bietet die Chance, dass eine moderne Technologie Einzug in das Leben der Menschen in Europa erhält ohne eine Einschränkung der aktuellen Währung zu erzeugen.

Wir dürfen gespannt sein, wie das Thema Datenschutz und programmierbare Währung umgesetzt wird und ob die Akzeptanz der Nutzer ähnlich hoch ist, wie gegenüber dem Euro.

Die Wahrscheinlichkeit, dass Nutzer mit besonders Datenschutz-affinen Gedanken zukünftig mehr auf dezentrale Crypto Coins setzen werden, ist in meinen Augen jedoch hoch.

Quelle: FAQ EZB

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