Wer kennt das nicht: Beim Online-Shopping lacht einen das neue iPhone an, allerdings hat man gerade nicht das Geld dafür auf der hohen Kante. Dieses Zahlen in Raten oder auf Rechnung wird neudeutsch als „Buy now, pay later" (BNPL) bezeichnet – und viele Onlineshops haben das für sich als Verkaufsfördermaßnahme entdeckt.
So verwundert es nicht, dass neue BNPL-Anbieter wie Afterpay oder Affirm wie Pilze aus dem Boden schießen. Auch Platzhirsche wie Klarna oder PayPal haben diese Zahlungsweise in ihr Standard-Portfolio aufgenommen.
Es handelt sich im Grunde genommen um einen Kredit, den der BNPL-Anbieter dem Kunden gewährt. Hierzu wird zum Zeitpunkt des Kaufs eine Realtime-Kreditentscheidung getroffen – neben öffentlich verfügbaren Daten (Schufa) auch KI-basierte Kundenanalysen (Wohnort, Kauf- und Zahlverhalten). Der Kreditbetrag wird dem Onlineshop abzüglich einer Gebühr überwiesen; die anschließende Abwicklung liegt beim BNPL-Anbieter.
Der globale BNPL-Markt belief sich in 2020 auf USD 4,07 Mrd. und soll sich mit einer jährlichen Wachstumsrate von 22,4 % von 2021 bis 2028 auf USD 20,40 Mrd. entwickeln.1
Am weitesten fortgeschritten ist diese Zahlweise in Australien: Dort haben rund 30 % der Erwachsenen einen Account bei einem BNPL-Anbieter und der Wert der Transaktionen wuchs in 2020 um 55 %.2 Vor allem Unternehmen mit hohem Warenkorbwert und niedriger Frequenz setzen BNPL bevorzugt ein – Luxusartikel, Travel, Fashion, Autozubehör.
Ein Trend, der sich immer stärker herauskristallisiert, ist der Versuch der BNPL-Anbieter, immer näher an den Kunden heranzurücken – durch eigene Apps, auf denen Kunden ihre User Journey im E-Commerce beginnen. Da BNPL-Anbieter das Einkaufsverhalten sehr genau kennen, wollen sie dieses Wissen monetarisieren: passgenaue Shopping-Vorschläge via AI, Provisionen durch Affiliate-Marketing und eigene Kundenbindungsprogramme.
Ein weiterer Trend ist die Ausbreitung in das klassische Banking-Business durch Bankkonten und Kreditkarten. Außerdem expandieren BNPL-Unternehmen in Richtung Point-of-Sale-Geschäft, da viele Händler einen Omnichannel-Ansatz fahren.
Eine spannende Variante ist das Geschäftsmodell der Miete: Dem Kunden wird gegen monatliche Raten ein hochpreisiges Produkt zur Nutzung überlassen, das im Eigentum des BNPL-Anbieters verbleibt – am Ende der Laufzeit wird es zurückgegeben.
Mit BNPL bereichert eine neue Spielart das Payment-Geschäft. Händlern eröffnet sich die Chance ihren Umsatz zu steigern und Zahlungsausfälle zu minimieren.
Es bleibt spannend, welche Anbieter eine einsetzende Konsolidierungsphase überleben werden. Außerdem steht der Lackmustest für die Überlegenheit des Risk Managements noch aus – hier könnten böse Überraschungen durch Zahlungsausfälle bei der vorwiegend jungen Zielgruppe lauern.
Quellen:
1 grandviewresearch.com – Buy Now Pay Later Market Report
2 onestepcheckout.com – BNPL Full Review
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