Das betriebliche Gesundheitsmanagement geht auf Aaron Antonovskys Gesundheitsmodel der Salutogenese aus dem Jahr 1979 zurück. Es beschreibt, dass sich der aktuelle Gesundheitszustand im Spannungsfeld zwischen Gesundheit und Krankheit befindet. Ziel des Individuums wäre es, dem Pol der Gesundheit im „Gesundheits-Krankheits-Kontinuum" näherzukommen. Demnach sollte die Strategie des betrieblichen Gesundheitsmanagements auf die Förderung der Gesundheit und nicht auf die Vermeidung von Krankheit ausgelegt werden.
Das betriebliche Gesundheitsmanagement, als Teil der Organisationsentwicklung, umfasst die strukturelle und prozessuale Ausrichtung eines Unternehmens, um die Gesundheit der Arbeitnehmer zu gewährleisten und zu verbessern.1 Ziel ist es, die Leistungsfähigkeit des Mitarbeiters zu optimieren. Im Zeitalter der Digitalisierung wird das Stressniveau im Arbeitsalltag durch Umstrukturierungen, Geschwindigkeit der Kommunikation sowie allgegenwärtige Erreichbarkeit gesteigert. Im betrieblichen Gesundheitsmanagement sind fünf Säulen zu betrachten: Psychische, mentale, organisationale, kognitive und physische Gesundheit.
Um langfristigen Nutzen ziehen zu können, muss das betriebliche Gesundheitsmanagement langfristig erfolgreich im Unternehmen etabliert werden. Insgesamt sollte eine Gesundheitskultur geprägt werden, die die Unternehmensstrategie unterstützt. Folgende Vorteile können aus einer ganzheitlichen Konzeptionierung abgeleitet werden:
Erleichterung von Wandel: Ein strategisch eingesetztes betriebliches Gesundheitsmanagement kann dabei helfen, Veränderungsprozesse gezielter umzusetzen. Motivationsbereitschaft ist direkt mit Veränderungsbereitschaft korreliert. Unternehmen, die sich um die psychische Gesundheit ihrer Mitarbeiter kümmern, können die Digitalisierung nachweislich besser implementieren.
Nach einer Studie der Techniker Krankenkasse2 bauen mittelständische Unternehmen ihr betriebliches Gesundheitsmanagement vor allem auf drei Säulen auf: Arbeitsschutz (knapp 80 %), Bewegungsangebote (ca. 65 %) und Programme zur Vereinbarung von Beruf und Familie (knapp 60 %). Die strategischen Ziele dahinter: Imageziele (53 %), Stärkung der Gesundheitskompetenz (57 %) und Steigerung der Mitarbeiterzufriedenheit (75 %).
Bereits bei der Konzeption können Mitarbeiter aktiv eingebunden werden, zum Beispiel in einem Gesundheitszirkel. Dieser innerbetriebliche Arbeitskreis schafft Akzeptanz und Wissen über gesundheitsgefährdende Faktoren. Neben spezifischen Maßnahmen gibt es allgemeine Möglichkeiten:
Seit 2008 wird in §3 Nr.34 EStG geregelt, dass der Arbeitgeber 600 € pro Mitarbeiter und Jahr steuerfrei für die Mitarbeitergesundheit geltend machen kann. Dazu zählen Leistungen zu verhaltensbezogener Prävention und Leistungen im „Handlungsfeld gesundheitsförderlicher Arbeits- und Lebensstil".
Ein nachhaltiges betriebliches Gesundheitsmanagement ist für den Arbeitgeber vorteilhaft – aufgrund erhöhter Leistung und Verminderung krankheitsbedingter Fehltage – und kann Synergieeffekte in anderen Bereichen generieren. Auch die Beschäftigten profitieren: Kostenersparnisse, verbesserte Work-Life-Balance und gesteigerte Lebensqualität. Berücksichtigt man den Wandel hin zum Arbeitnehmermarkt, ist die Attraktivität des Unternehmens entscheidend, um langfristig mit guten Mitarbeitern erfolgreich am Markt bestehen zu können.
1 marktforschung.de – Marktforschungsstudie (Link wurde leider entfernt)
2 TK Studie – bgm-im-mittelstand-2019-2020-digitale-transformation-data.pdf (wurde leider entfernt)
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