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KI Copilot kann alles – darf aber nichts.

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Erfolgreiche Kundenkommunikation in der IT-Beratung

08.01.2026 Philipp Pils

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Copilot kann alles – darf aber nichts.

Warum Großunternehmen KI noch immer selbst blockieren.

Als IT-Berater arbeite ich für Großunternehmen – meist in Projektleitungs- oder Anforderungsmanagement-Rollen. Ich sehe täglich, wie viel Zeit in Routinearbeit fließt: Protokolle schreiben, Daten zwischen Systemen kopieren, Status-Updates zusammenstellen. Und ich sehe, welches Potenzial ungenutzt bleibt.

Ich wollte mit KI die Arbeitszeit halbieren. Nicht träumen – wirklich machen. Weniger Protokolle abtippen, weniger Copy-Paste zwischen Systemen, weniger „Wo stand das nochmal?". Microsoft Copilot klang nach genau dem richtigen Werkzeug: Ein Assistent, der Sprache versteht, Dokumente kennt und Routinearbeit übernimmt.

Klingt gut, oder?

Der Ferrari mit angezogener Handbremse

Copilot ist wirklich beeindruckend. Wenn ich ihn einfache Dinge fragen lasse – eine Mail zusammenfassen, eine Präsentation aufhübschen, Zahlen interpretieren – läuft er wie geschmiert.

Aber sobald er etwas wirklich Nützliches tun soll – also auf die Daten zugreifen, mit denen täglich gearbeitet wird – kommt die Handbremse.

Teams-Chats? Gesperrt.
SharePoint-Ordner? Zu riskant.
Jira-Tickets? Nicht freigegeben.

Die KI ist bereit. Aber die Organisation nicht.

Das Problem ist nicht die Technik

Copilot ist kein Hexenwerk. Er ist ein Interface, das über Microsoft Graph auf Daten zugreift, die ohnehin schon vorhanden sind. In Outlook, Word, PowerPoint funktioniert das einwandfrei.

Aber sobald Systeme miteinander verbunden werden sollen – Jira mit Teams, SAP-Daten mit SharePoint, oder ein morgendliches Briefing aus allen relevanten Quellen – ist Schluss.

Das liegt nicht an Microsoft.
Das liegt an der Organisation.

Infografik Meeting ohne Co-Pilot

In vielen Konzernen gilt das Prinzip:

Lieber blockieren, bevor etwas schiefgehen könnte.

Was möglich wäre – wenn die Rahmenbedingungen stimmen würden

Ein paar Szenarien aus dem echten Projektalltag:

Der Wochenreport

Copilot zieht alle Infos aus Teams-Chats, Jira-Tickets und Excel-Listen, macht daraus eine saubere PowerPoint mit Status und To-Dos. Fertig in 2 Minuten statt 2 Stunden.

→ Geht technisch. Scheitert an Datenschutz-Freigaben.

Das Eskalations-Radar

Die KI erkennt in Kommunikationsverläufen Spannungen, bevor sie zu Konflikten werden.

→ Geht technisch. Blockiert wegen „Persönlichkeitsanalyse".

Das automatische Meeting-Protokoll

Teams-Calls werden transkribiert, Copilot erstellt daraus ein Protokoll und trägt meine Todos automatisch in Outlook-Aufgaben oder Microsoft To Do ein.

→ Geht technisch. Scheitert an Berechtigungen.

Das tägliche Briefing

Morgens: „Was ist heute wichtig?" – Copilot zieht Termine, Risiken, relevante Mails, offene Aufgaben.

→ Geht technisch. Keine zentrale Freigabe.

Kurz gesagt: Die KI könnte locker 20 % Arbeitszeit einsparen.
Verhindert wird es durch Freigabeprozesse, Compliance-Prüfungen und organisatorische Hürden.

Der Weg drumherum

Während Copilot im Microsoft-Käfig bleibt, entstehen an anderer Stelle längst Lösungen. Mit Tools wie n8n, Power Automate oder Make lassen sich genau solche Workflows bauen – DSGVO-konform, wenn sie sauber aufgesetzt werden.

Beispiel-Workflow:
n8n holt Daten aus Jira und Teams → Azure OpenAI fasst sie zusammen → landet als Bericht in Outlook.

Funktioniert. Schnell. Sicher.

Aber offiziell? Meist nicht freigegeben.
Begründung: „Das Governance-Team muss das erst prüfen."

Bis dahin ist das Projekt längst weiter.

IT Dienstleistung Copilot Assistent

Copilot Studio – die Lösung, die niemand nutzt

Microsoft hat mit Copilot Studio längst das Werkzeug geschaffen, um eigene KI-Agenten zu entwickeln – sicher, skalierbar, EU-konform. Unternehmen könnten damit interne Workflows automatisieren, Datenzugriffe steuern und Compliance-Regeln hinterlegen.

Nur: In vielen Firmen ist Copilot Studio noch nicht freigeschaltet.
Oder es weiß schlicht niemand, dass es existiert.

Die Technik ist da. Die organisatorische Reife oft nicht.

Das eigentliche Hindernis

Es geht nicht um Datenschutz an sich.
Es geht um Unsicherheit bei der Verantwortung.

KI zwingt Organisationen, über Datenhoheit, Transparenz und Vertrauen nachzudenken. Und das ist unbequem.

Darum entsteht ein vertrautes Muster:

„Wir wollen KI, aber bitte ohne Risiko."

Ergebnis: Teure Lizenzen. Wenig Nutzen. Und verpasste Produktivitätsgewinne.

Mein Fazit: Copilot kann viel. Man muss ihn nur lassen.

Copilot ist kein Spielzeug. Er könnte Projektleitung, Management und Analyse massiv entlasten – wenn ihm erlaubt wird, auf die Daten zuzugreifen, die sowieso schon im Unternehmen liegen.

Solange Datenschutz als Begründung dient, um Innovation zu verzögern, bleibt KI ein PowerPoint-Thema. Kein Produktivitätsthema.

Die Frage ist nicht mehr, ob Copilot die Arbeit verändern wird.
Die Frage ist, wann Organisationen bereit sind, die Handbremse zu lösen.

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